Schaden im Haus
Was in den ersten Stunden zählt und was danach folgen muss
Nach einem Wasserschaden entscheidet die Reihenfolge über den Umfang der Folgeschäden. Diese Schritte gehören in der richtigen Abfolge abgearbeitet.
Alexander Gräfe·August 2026·6 Minuten Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
1Zuerst Wasser stoppen und Strom sichern, dann alles Weitere.
2Dokumentieren Sie den Zustand, bevor Sie mit dem Aufräumen beginnen.
3Die Ursache muss gefunden werden, sonst trocknen Sie gegen einen laufenden Eintrag.
4Erst nach nachgewiesener Trocknung darf wieder aufgebaut werden.
Die ersten Minuten – Wasser und Strom
Der erste Griff gilt der Wasserzufuhr. Schließen Sie den Haupthahn oder den nächstgelegenen Absperrhahn. Bei einem Rohrbruch entscheidet jede Minute darüber, wie viel Wasser in die Bauteile gelangt. Wer den Hauptabsperrhahn nicht kennt, sollte ihn heute suchen und nicht im Ernstfall.
Der zweite Griff gilt der Elektrik. Stehendes Wasser und Strom vertragen sich nicht. Schalten Sie die betroffenen Stromkreise ab, bevor Sie den Raum betreten. Ist der Zählerschrank selbst betroffen oder reicht das Wasser bis an Steckdosen heran, betreten Sie den Bereich nicht und rufen Sie eine Fachkraft.
Erst danach beginnt die Schadensbegrenzung. Schöpfen oder saugen Sie stehendes Wasser ab. Bringen Sie Möbel, Teppiche und Kartons aus dem betroffenen Bereich. Heben Sie Möbelfüße mit Unterlagen an, damit kein Wasser hochgesaugt wird.
Bei einem Schaden aus der darüberliegenden Wohnung informieren Sie zusätzlich sofort die betroffenen Nachbarn und die Hausverwaltung. Der Eintritt lässt sich häufig nur von dort stoppen.
Dokumentieren, bevor aufgeräumt wird
Sobald das Wasser gestoppt ist, wird dokumentiert. Fotografieren Sie den Zustand großflächig und im Detail. Der Wasserstand an der Wand, durchnässte Bodenbeläge, aufgequollene Sockelleisten, betroffene Möbel und Gegenstände. Halten Sie fest, wo das Wasser herkam.
Diese Aufnahmen sind später die Grundlage für die Schadensregulierung. Wird zuerst aufgeräumt und dann fotografiert, fehlt der Nachweis über den ursprünglichen Umfang. Das führt regelmäßig zu Kürzungen.
Legen Sie außerdem eine Liste der beschädigten Gegenstände an, mit Anschaffungszeitpunkt und, soweit vorhanden, Belegen. Ergänzen Sie ein kurzes Protokoll mit dem Zeitpunkt der Entdeckung, den ergriffenen Maßnahmen und den beteiligten Personen.
Werfen Sie beschädigte Gegenstände zunächst nicht weg. Solange die Regulierung läuft, kann eine Besichtigung verlangt werden. Lagern Sie durchnässte Teile getrennt und trocken, soweit das möglich ist. Bewahren Sie auch ausgebaute Bauteile auf, etwa ein defektes Anschlussstück oder einen Schlauch. Solche Teile können für die Klärung der Ursache entscheidend sein.
Die Reihenfolge nach dem Schadensfall
✔ Wasserzufuhr absperren und betroffene Stromkreise abschalten
✔ Zustand vollständig fotografieren, bevor aufgeräumt wird
✔ Stehendes Wasser entfernen und bewegliche Gegenstände in Sicherheit bringen
✔ Ursache klären lassen und Schaden bei der Versicherung melden
✔ Trocknen mit Messprotokoll und erst danach wieder aufbauen
Ursache finden statt Symptome trocknen
Bevor getrocknet wird, muss die Ursache feststehen. Wer gegen einen laufenden Wassereintritt trocknet, verbrennt Zeit und Energie ohne Ergebnis. Bei einem sichtbaren Rohrbruch ist die Sache klar. Häufig ist sie es nicht.
Feuchte Stellen zeigen sich oft weit entfernt von der eigentlichen Quelle. Wasser läuft in Estrichdämmschichten, in Hohlräumen von Ständerwänden und entlang von Leitungen. Der nasse Fleck an der Kellerdecke kann von einer Leitung im Geschoss darüber stammen.
Zur Eingrenzung dienen Feuchtemessungen, Wärmebildaufnahmen und bei verdeckten Leitungen Ortungsverfahren. Aus dem Muster der Feuchteverteilung lässt sich meist ableiten, woher das Wasser kommt. Auch die Unterscheidung ist wichtig. Ein Leitungswasserschaden, ein Eintrag von außen und Feuchte aus Kondensation sehen ähnlich aus, haben aber unterschiedliche Ursachen und Folgen.
Diese Unterscheidung entscheidet außerdem darüber, welche Versicherung überhaupt zuständig ist. Deshalb gehört die Ursachenklärung an den Anfang und nicht ans Ende.
Meldung an die Versicherung
Melden Sie den Schaden unverzüglich. Welche Versicherung zuständig ist, hängt von der Art des Schadens ab. Für Schäden am Gebäude kommt in der Regel die Gebäudeversicherung in Betracht, für Schäden am Inventar die Hausratversicherung. Haben Sie den Schaden bei einem Dritten verursacht, ist die Haftpflicht betroffen.
Halten Sie bei der Meldung die Grunddaten bereit. Zeitpunkt der Entdeckung, vermutete Ursache, betroffene Räume, bereits ergriffene Maßnahmen. Bitten Sie um eine schriftliche Bestätigung der Meldung.
Sie sind verpflichtet, den Schaden gering zu halten. Notmaßnahmen wie Absperren, Abpumpen und erstes Lüften dürfen und sollen Sie sofort durchführen. Umfangreiche Sanierungsarbeiten sollten Sie dagegen abstimmen, bevor Sie sie beauftragen. Der genaue Umfang Ihrer Pflichten ergibt sich aus Ihrem Vertrag und den geltenden Regelungen.
Schickt die Versicherung einen eigenen Sachverständigen, ist das üblich. Sie können sich zusätzlich fachlich begleiten lassen, wenn der festgestellte Umfang nicht zu Ihren Beobachtungen passt.
Praxistipp
Den Hauptabsperrhahn heute finden
Suchen Sie den Hauptabsperrhahn, bevor Sie ihn brauchen. Prüfen Sie, ob er sich leicht drehen lässt, denn selten bewegte Ventile sitzen häufig fest. Zeigen Sie die Stelle allen Bewohnern und markieren Sie sie gut sichtbar. Im Ernstfall entscheidet diese eine Minute über den Umfang des Schadens.
Trocknung und Nachweis
Die Trocknung beginnt, sobald die Ursache beseitigt ist. Eingesetzt werden Bautrockner, Ventilatoren und je nach Aufbau spezielle Verfahren für Dämmschichten unter dem Estrich. Bei mehrschichtigen Böden reicht oberflächliches Trocknen nicht aus, weil das Wasser in der Dämmung steht.
Entscheidend ist die Messung. Die Trocknung ist nicht beendet, wenn die Oberfläche trocken wirkt, sondern wenn die gemessenen Werte in den Bauteilen wieder im normalen Bereich liegen. Die Messungen sollten protokolliert werden, mit Datum, Messpunkt und Wert.
Dieses Protokoll ist mehr als Formsache. Es ist der Nachweis, dass ordnungsgemäß getrocknet wurde. Kommt es später zu Schimmel oder Geruchsbildung, ist es das entscheidende Dokument.
Lüften Sie während der Trocknung nach Anweisung. Falsches Lüften kann den Prozess verlängern oder Feuchte in andere Bereiche tragen. Rechnen Sie mit mehreren Wochen. Wer die Geräte zu früh abschaltet, weil der Lärm stört, riskiert einen zweiten Schaden.
Wer trocknet, bevor die Ursache feststeht, arbeitet gegen einen Gegner, den er nicht kennt.
Schimmel vermeiden und richtig wieder aufbauen
Feuchte Bauteile sind ein Nährboden. Schimmel kann sich innerhalb weniger Tage bilden, oft verdeckt hinter Sockelleisten, unter Belägen oder in Wandaufbauten. Ein muffiger Geruch ohne sichtbaren Befall ist ein ernstzunehmender Hinweis.
Zeigt sich Schimmel, gehört der Bereich fachgerecht behandelt. Großflächiger oder verdeckter Befall ist kein Fall für Hausmittel. Wichtig ist auch hier, zuerst die Feuchtequelle zu beseitigen. Ohne das kommt der Befall zurück.
Der Wiederaufbau beginnt erst nach nachgewiesener Trocknung. Wer neuen Estrich, Putz oder Bodenbelag auf feuchten Untergrund bringt, schließt die Feuchte ein. Das Ergebnis zeigt sich Monate später als abgelöster Belag, blühender Putz oder Schimmel hinter der neuen Wand.
Nutzen Sie die Gelegenheit für eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wenn eine alte Leitung versagt hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass weitere Abschnitte in ähnlichem Zustand sind. Eine Erneuerung im Zuge der ohnehin geöffneten Bauteile ist deutlich einfacher als ein zweiter Schaden im nächsten Jahr.
Häufige Fragen
Darf ich sofort mit dem Trocknen anfangen?
Erste Notmaßnahmen wie Abpumpen, Aufwischen und Lüften sollten Sie sofort durchführen, dazu sind Sie sogar verpflichtet. Mit dem Aufstellen von Trocknungsgeräten warten Sie besser, bis der Schaden dokumentiert und die Ursache geklärt ist. Sonst trocknen Sie möglicherweise gegen einen weiterlaufenden Eintrag.
Wie lange dauert eine Trocknung?
Das hängt vom Bauteilaufbau und vom Umfang der Durchfeuchtung ab. Bei oberflächlichen Schäden genügen oft wenige Tage. Steht Wasser in der Dämmschicht unter dem Estrich, sind mehrere Wochen üblich. Maßgeblich ist nicht der Kalender, sondern die gemessene Restfeuchte in den Bauteilen.
Wer zahlt bei einem Wasserschaden?
Das richtet sich nach Ursache und Vertragslage. Schäden am Gebäude betreffen meist die Gebäudeversicherung, Schäden am Inventar die Hausratversicherung, verursachte Schäden bei Dritten die Haftpflicht. Melden Sie den Fall in jedem Fall zeitnah und klären Sie die Zuständigkeit mit Ihrem Versicherer.
Wann brauche ich einen Sachverständigen?
Sinnvoll ist eine unabhängige Beurteilung, wenn die Ursache unklar bleibt, wenn der festgestellte Umfang nicht zu Ihren Beobachtungen passt oder wenn nach dem Wiederaufbau erneut Feuchte auftritt. Auch bei Streit über die Trocknung oder bei Schimmelverdacht ist eine fachliche Einordnung hilfreich.
Unsicher, wie es in Ihrem Fall aussieht?
Schildern Sie kurz, worum es geht. Häufig lässt sich schon am Telefon klären, ob ein Ortstermin nötig ist.
Über den Autor
Alexander Gräfe
Alexander Gräfe ist Bau-Sachverständiger mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung am Bau. Er ist über DEKRA und IQ-Zert zertifiziert, führt selbst keine Bauleistungen aus und vermittelt keine Handwerker.